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Essays
Malerei - Zeichnungen - Holzdrucke Die Duesseldorfer Kuenstlerin Anne Ludwig arbeitet mit unterschiedlichen Materialien und in verschiedenen Techniken: Oel und Acrylfarbe auf Leinwand, Papier und Acryl fuer ihre Objekte, Holz fuer die Druckplatte und Acryl fuer den Druck. Die freie Wahl der kuenstlerischen Mittel bietet ihr die Moeglichkeit, stets neues Terrain zu beschreiten. Die Neugierde, Neues zu erproben, fuehrt zu einem vielseitigen Oeuvre. Unverkennbar draengt sich eine gleichbleibende Linie auf: Die Schoenheit der Natur wie zugleich auch ihre zerstoererische Gewalt bietet Anregung fuer das kuenstlerische Werk. Die Kuenstlerin ist stets unterwegs, die ausgewaehlten Materialien auf ihre Eigenschaften hin zu pruefen, um sie als Sprachrohr ihrer Botschaften anwenden zu koennen. Die Holzdrucke werden in Serien gefertigt. Blaue, rote und gelbe Druckfarbe kolorierten ihre Drucke. Interessant ist zu beobachten, dass viele Zeichnungen Vorstufen fuer ihre grossformatigen Gemaelde sind. In den Zeichnungen werden bestimmte Bildstrukturen zunaechst in einem kleinen Format erprobt. Die Malerei in Oel oder Acryl wirkt frei und urspruenglich. In einem spontanen Malakt, unbehindert von zielorientierten Normvorstellungen, findet der Pinselstrich mit ausfahrender Bewegung aus der Kuenstlerin heraus die Leinwand. Die Kuenstlerin variiert bestimmte Techniken. Die Farbe wird direkt mit der Hand, dem Pinsel, dem Spachtel und anderen Hilfsmitteln aufgetragen. Die Lust der Kuenstlerin im Akt des Malens, ihr Temperament, begegnet in der Leinwand einem mit Vorbedacht gewaehlten Aktionsformat. Ein "Hymnus der Farbe" wird in diesen Bildern angestimmt. Klare, reine Farbklaenge stroemen ueber die Leinwand und konzentrieren sich in manchen Bilder zu farbigen Bildteppichen. Anne Ludwig nimmt die landschaftlichen Assoziationen, zu welchen die Bilder anregen, stellenweise in ihren Bildtiteln auf, doch bezeichnen ihre Bildtitel nicht immer exakt eine Gegenstaendlichkeit, sondern bleiben im Vagen-Assoziativen, lassen der Phantasie genug freien Lauf, um auch anderes damit zu verknuepfen. Einige Bildtitel verweisen auf Orte, an die sich die Kuenstlerin erinnert. Das ist z.B. Ubud auf Bali, ein Ort, an dem die Kuenstlerin einige Zeit gelebt und gearbeitet hat. Die intensiven Landschaftseindruecke wirken auf die Kuenstlerin stark inspirierend und werden nicht nur spontan und augenblicklich vor Ort in der Natur umgesetzt, sondern aus der Erinnerung im malerischen Gestus verarbeitet. Ueber die Begeisterung fuer die unberuehrte urspruengliche Natur hinaus setzt die Kuenstlerin mit bildnerischen Mitteln die Gewalten, die der Natur entgegenwirken und angetan werden, um. - Die Natur zerstoert sich auch selber und kann ploetzlich zum gewaltsamen Sog werden. Die Werke "Die gerettete Blume" und "Kaefer im Feld" sind Ergebnisse dieser Auseinander-setzung. In diesem Kontext nimmt das Objekt als solches in den juengsten Arbeiten der Kuenstlerin ansatzweise Gestalt an. Doch alle beobachtbaren Analogien der Bildtitel zu den Bildinhalten gehen von der Farbe aus, von der innerbildlichen Realitaet des Verhaeltnisses der Farben zueinander und erklaeren die Bilder nicht eigentlich, sondern verweisen zurueck auf die Farbe und ihre suggestive Kraft. Der Betrachter wird aufgefordert, Bezuege im Bild zu untersuchen, zum Beispiel Farbverhaeltnisse abzuwaegen, dem Verlauf von Pinselspuren zu folgen. Ihm obliegt die Freiheit die mit malerischen Mitteln entwickelte Bildgestalt fuer sich als Bildaussage zu deuten.
Objekte Wenn die Kuenstlerin Anne Abstand von ihrer farbintensiven Malerei benoetigt, arbeitet sie eine zeitlang mit den Gestaltungsmitteln Papier und Plexiglas. Die Arbeit mit diesen Materialien dient der Kuenstlerin vor allem der Erholung von der Farbe. Dabei entstehen "Lichte Objekte", in denen durch das Zusammenspiel von Licht, Schatten und Papier eigene "sphaerische" Raeume entstehen. Aus dem Gestaltungsmittel "Papier" werden durch Kuenstlerhand dreidimensionale Objekte. Anne Ludwig beschraenkt sich bei der grossen Auswahl der Kunstpapiere auf bestimmte Papierqualitaeten: Japan-, Buettenpapier, Transparentpapier und schlichtes, weisses Papier. Die Papierarbeiten werden entweder in einem Plexiglaskubus eingefasst oder zwischen Plexiglasplatten gelegt. Zwischen den Gestaltungsmitteln entwickelt sich ein Wechselspiel, das gerade durch die Umgrenzung eines Kastens die besondere Wechselwirkung zwischen den Gestaltungsmitteln bewahrt. So kann das Auge des Betrachters in eigene Objektwelten eintauchen. Zugleich schuetzt das Plexiglas das Objekt. Anne Ludwig reisst oder schneidet das Papier. Fuer manche Objekte werden die Papierflaechen anschlie§end zu dreidimensionalen Papierkoerpern geklebt. Manchmal sind es nur wenige Schnitte, die die Kuenstlerin ausfuehrt und aus einem weissen festen Karton entsteht ein kuenstlerisches Gebilde. Als Formgebilde ist eine Art Spirale entstanden. Setzt die Phantasie des Betrachters ein, sieht das Auge ein Schneckenhaus oder die Rundungen einer eingerollten Schlange. Die Qualitaet des ausgewaehlten Papiers traegt entscheidend zur Objektwirkung bei. Fuer die Objekte "Lichter Kreis I und II" wurde Transparentpapier bearbeitet, das mit seiner matten und zarten Materialitaet ein Raumfluidum entstehen laesst. Bei diesen beiden Objekten kann man die unterschiedliche Wirkung von geschnittenem und gerissenem Papier beobachten. Die Risskanten verleihen dem Raumkoerper "Lichter Kreis I" eine Zartheit und Empfindlichkeit. Fuer das Objekt "Lichter Kreis II" hat die Kuenstlerin das Papier geschnitten. Die Wirkung ist eine andere: Der Papierkoerper wirkt statischer. Eine besondere Funktion kommt in allen Objekten dem Licht zu. Ob kuenstliches oder natuerliches Licht - es durchstroemt die Objekte und haucht ihnen Leben ein. Im Objekt ăSchattenstrukturen" springt das Auge Ueber die vielen kleinen gerissenen Papierquadrate, die sich - schichtenweise uebereinander gelegt und abgetrennt voneinander durch Plexiglasscheiben - im Hintergrund zu einem dunklen Punkt verjuengen. Die Plexiglasscheiben bewirken eine Unschaerfe des Hinter- oder Untergrundes. Im Objekt "Fliehender Korpus" sind Papierstuecke in der geometrischen Form einer Raute uebereinander versetzt zwischen die Scheiben gelegt. Das Auge sieht einen Quader, dessen Unterkante sich scheinbar im Nichts aufloest. Die Strenge der geometrischen Formen loest sich in einigen Objekten auf. So puristisch auch die Materialien Papier und Plexiglas sind, durch Kuenstlerhand entstehen unterschiedliche zarte Lichte Objekte.
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